Warum ein Gehaltsvergleich ohne Lebenshaltungskosten wenig aussagt
Gehaltsvergleiche enden meist bei der Bruttozahl. Das ist die am wenigsten aussagekräftige Größe im ganzen Vorgang. Zwischen dem Brutto und dem, was du am Monatsende tatsächlich frei ausgeben kannst, liegen zwei sehr unterschiedlich große Blöcke: Steuern und Sozialabgaben (bundesweit weitgehend identisch) und die Lebenshaltungskosten (regional extrem verschieden).
Der größte regionale Unterschied ist die Miete. Zwischen München und Chemnitz liegt bei der Kaltmiete pro Quadratmeter mehr als der Faktor drei. Bei 45 m² Wohnfläche entspricht das einer monatlichen Differenz im mittleren dreistelligen Bereich — mehr, als die meisten Gehaltserhöhungen einbringen.
Der Gehalts-Atlas rechnet deshalb konsequent bis zur freien Kaufkraft pro Arbeitsstunde durch. Das ist der Betrag, der nach Steuern, Sozialabgaben und den durchschnittlichen lokalen Grundkosten übrig bleibt, geteilt durch deine Arbeitszeit.
Wie der echte Stundenlohn pro Stadt berechnet wird
Die Rechnung läuft in vier Schritten:
- Brutto zu Netto. Aus deinem Bruttoeinkommen und deiner Steuerklasse wird das monatliche Netto ermittelt — mit derselben Logik wie im Brutto-Netto-Rechner und der Lohnsteuertabelle 2026.
- Lokale Kosten abziehen. Kaltmiete und Nebenkosten für die eingestellte Wohnungsgröße, ein regionaler Lebensmittelindex und der ÖPNV-Beitrag.
- Freie Kaufkraft ermitteln. Netto minus lokale Kosten.
- Auf die Arbeitszeit umlegen. Freie Kaufkraft geteilt durch deine Arbeitsstunden pro Monat.
Echter Stundenlohn = (Netto − Miete − Nebenkosten − Lebensmittel − ÖPNV) ÷ Arbeitsstunden pro Monat
Die Karte färbt sich nach diesem Wert. Dunkler bedeutet mehr freie Kaufkraft pro gearbeiteter Stunde.
Welche Kostenblöcke einfließen
| Kostenblock | Grundlage |
|---|---|
| Kaltmiete | Durchschnittliche Angebotsmiete pro m² × eingestellte Wohnfläche |
| Nebenkosten | Durchschnittliche Betriebskosten pro m² × Wohnfläche |
| Lebensmittel | Bundesdurchschnitt, gewichtet mit dem regionalen Preisindex |
| Mobilität | Deutschlandticket, 58 € pro Monat |
Bewusst nicht enthalten sind stark individuelle Posten: Auto, Versicherungen, Kinderbetreuung, Freizeit, Urlaub. Sie würden den Vergleich zwischen Städten nicht schärfer machen, sondern nur verrauschen — sie unterscheiden sich mehr zwischen zwei Haushalten in derselben Stadt als zwischen zwei Städten.
Was die Karte typischerweise zeigt
- Hohe Gehälter kompensieren hohe Mieten oft nicht. Metropolen zahlen im Schnitt mehr, aber der Mietaufschlag wächst schneller als der Gehaltsaufschlag. Bei mittleren Einkommen bleiben in Großstädten häufig weniger freie Euro übrig als in mittelgroßen Städten.
- Der Effekt kippt mit steigendem Einkommen. Die Miete ist ein weitgehend fixer Betrag. Wer viel verdient, spürt sie anteilig weniger — ab einem gewissen Einkommen gewinnen die Metropolen im Ranking zurück.
- Die Wohnungsgröße ist der stärkste Hebel im Rechner. Von 45 m² auf 70 m² zu gehen verändert das Ranking spürbar, weil sich der teuerste Kostenblock proportional mitbewegt.
- Mittelgroße Städte schneiden überdurchschnittlich ab. Sie kombinieren solide Löhne mit moderaten Mieten — das ist die Kombination, die freie Kaufkraft erzeugt.
Wie du den Atlas für eine Umzugsentscheidung nutzt
Ein Jobangebot in einer anderen Stadt lässt sich mit dem Atlas in drei Minuten bewerten:
- Trag dein aktuelles Brutto ein und merk dir den echten Stundenlohn deiner jetzigen Stadt.
- Trag das angebotene Brutto ein und sieh dir den Wert für die neue Stadt an.
- Vergleiche die beiden Zahlen, nicht die Bruttogehälter.
Über den Übernahme-Button kannst du das Ergebnis einer Stadt direkt in den Lebenszeit-Rechner übertragen — dann siehst du, was ein konkreter Kauf dich an diesem Wohnort in Arbeitszeit kostet.
Datengrundlage und Genauigkeit
Die Mietwerte stammen aus veröffentlichten Mietspiegeln und Marktberichten (Angebotsmieten), der Lebensmittelindex aus dem regionalen Preisindex des Statistischen Bundesamts, der ÖPNV-Preis vom Deutschlandticket. Der Datenstand ist im Rechner unter der Karte ausgewiesen und wird dort bei jeder Aktualisierung mitgeführt.
Es handelt sich um gerundete Durchschnittswerte für eine Modellrechnung. Innerhalb einer Stadt streuen Mieten stark nach Lage, Baujahr und Zustand; Bestandsmieten liegen typischerweise deutlich unter den hier verwendeten Angebotsmieten. Der Atlas eignet sich für den Vergleich zwischen Städten, nicht als Budgetplanung für eine konkrete Wohnung.
Häufige Fragen
Warum wird die Miete nach Quadratmetern berechnet?
Weil das der einzige Weg ist, Städte fair zu vergleichen. Eine Pauschale pro Stadt würde unterschiedliche Wohnansprüche vermischen. Über die Wohnungsgröße stellst du selbst ein, welchen Lebensstandard du vergleichen willst — 45 m² für Singles, 70 m² für Paare, mehr für Familien.
Mit welchen Annahmen wird das Netto berechnet?
Standardannahmen sind 30 Jahre, keine Kinder, keine Kirchensteuer und gesetzliche Krankenversicherung mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag. Die Steuerklasse kannst du selbst wählen. Für eine exakte Nettoberechnung mit deinen individuellen Merkmalen nutze den Brutto-Netto-Rechner.
Warum fehlt meine Stadt?
Der Atlas enthält die größeren deutschen Städte, für die belastbare veröffentlichte Durchschnittswerte vorliegen. Schreib mir gern über die Kontaktseite, welche Stadt dir fehlt.
Sind die Werte für 2026 aktuell?
Der Datenstand steht unter der Karte. Die Steuerlogik entspricht dem im Rechner gewählten Steuerjahr, die Kostendaten werden separat gepflegt.